Impressionen aus unseren Archiven

Fotos aus Morsbach 04/2016 : Neues

Drei alte Fotos hat uns Michael Bülles zugeschickt. Hier stellen wir ein Foto vor. Die beiden anderen Fotos finden Sie, wenn Sie auf den "Menupunkt" Pinnwand klicken. Das hier gezeigte Foto ist am 13. November 1932 entstanden anläßlich eines Bezirkspokalspieles von Sparta Würselen gegen Alemannia Aachen, das die Alemannia vor 2.500 Zuschauern 6: 2 gewann. Stehend die Alemannia, knieend die Sparta...


Zwei Spieler sind mit dem Namen zuzuordnen:

Stehend der vierte Spieler von links (nimmt man die Betreuer dazu, der sechste von links) ist Reinhold Münzenberg, der 41. fache Nationalspieler der Alemannia, der auch 8-mal Kapitän der Nationalmannschaft war.

Kniiend der zweite Spieler von rechts ist Johann "Schäng" Bülles.

Es gibt zu diesem Spiel noch Mannschaftsaufstellungen - im Internet nachzulesen:

Die Spieler von Sparta waren vermutlich: Hövelmann - Dassen, Beckers - Schaffrath, Klever, Vonken - Wirtz, Leuchter, Bülles, Reul, Jansen. Die Namen sind aber nicht in dieser Reihenfolge dem Bild zuzuordnen, es ist die Mannschaftsaufstellung.

Die Aufstellung der Alemannia lautete: Zolper - Gummer, Baake ? - Wicke ?, Münzenberg, Franken - Nießen, J. Schnitzler, Benner, Strater ?, Stephan ?.

Wer kann diese Namen den Spielern im Bild zuordnen? Wer kann uns bei der Identifzierung weiterhelfen?

Nachricht bitte an info@kulturarchiv-wuerselen.de

Schlaglichter 04/2016 : Neues

"Schlaglichter" heißt eine neue Publikationsreige zur Heimatgeschichte unserer Stadt. In der ersten Ausgabe hat Achim Großmann begonnen, die Geschichte der Zigarrenindustrie in Würselen aufzuschreiben. Einige wenige Exemplare sind im Kulturarchiv noch erhältlich...


Die Arbeit zu dem Thema Zigarren geht weiter. Inzwischen wurden weitere Unterlagen in Archiven gefunden und zahlreiche Gespräche geführt. Herausgekommen ist eine Fülle von neuen Informationen, die jetzt aufgearbeitet werden.

Inzwischen wird auch an der zweiten Ausgabe von "Schlaglichter" gearbeitet. Ein neues Heft mit Aufsätzen zu verschiedenen Themen ist in Vorbereitung und wird vielleicht noch vor den Sommerferien erscheinen können. Mehr wird noch nicht verraten...

Ende 1957 kam Emanuel „Eddy“ Schaffer aus Israel als Trainer zu Rhenania Würselen an den Lindenplatz. Das Jüdische Museum München bat die Rhenania, Fotos, Presseberichte und Unterlagen zur Tätigkeit von Schaffer zur Verfügung zu stellen. Alfred Reiß verfasste eine umfangreiche Dokumentation, die er auch dem Kulturarchiv schenkte. Sie diente Heinz Josef Küppers als Grundlage für das neue » Monatsthema


Die folgende Kurzbiografie verfasste Achim Großmann:

Emanuel Schaffer wurde im Februar 1923 im ostpolnischen Galizien geboren (* 11. Februar 1923 in Drohobycz) und zog kurz danach mit seiner Familie nach Recklinghausen. Schaffer besuchte dort die jüdische Schule. Das Fußballspielen wurde bald zu seiner größten Freude. 1933, zehn Jahre später, floh die Familie vor den Nationalsozialisten, zunächst nach Metz in Frankreich, 1934 wegen der deutschen Sprache dann nach Saarlouis. Das Saarland stand noch unter französischer Verwaltung. Nach dem Volksentscheid 1935 musste die Familie Deutschland verlassen und kehrte 1936 zurück nach Galizien. In Drohobycz besuchte Emanuel Schaffer das Gymnasium und spielt bei Betar, einem zionistischen Fußballverein. Das polnische Drohobycz wurde 1939 von der Sowjetunion besetzt und nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 von der deutschen Wehrmacht.

Emanuel Schaffer gelang die Flucht trotz schwerer Erkrankung. Er kam nach Alma Ata in Kasachstan. Dort erfuhr er Ende 1941, dass seine Familie tot war, ermordet bei dem Massaker von Stanislawow, bei dem SS Sturmbannführer Hans Krüger mehr als zehntausend jüdische Männer, Frauen und Kinder töten ließ. Nach dem Krieg ging Schaffer 1945 nach Polen zurück, spielte wieder in einem jüdischen Verein in der zweiten Liga, bis in Polen das jüdische Vereinswesen verboten wurde. Er floh erneut, diesmal vor der Einberufung in die polnische Armee, und kam 1950 völlig mittellos in Palästina an.

Der Fußball war sein Leben. Er schloss sich einem Verein in Haifa an und spielte sechs Mal in der israelischen Nationalmannschaft, wo er sechs Tore schoss. Eine Verletzung beendete seine Karriere. Seinen Traum, Fußballtrainer zu werden, realisierte er an der Sporthochschule Köln. Um Erfahrung zu sammeln und finanziell über die Runden zu kommen, trainierte er in dieser Zeit Rhenania Würselen. Mit dem Trainerdiplom kehrte es schließlich nach Israel zurück und wurde dort Trainer der israelischen Nationalmannschaft, die er 1970 sogar zur Weltmeisterschaft nach Mexiko führte.

Trotz der erfolgreichen Flucht und seinen großen Erfolgen ließ ihn das alte Leben nie los. Viele Jahre später fragte ihn ein Sportjournalist, warum er beim Training immer so fluchen würde. „Ich weiß, ich bin verrückt“, soll Schaffer geantwortet haben. „Aber du musst wissen, dass, wer auch immer da war und überlebt hat, verrückt zurückgekommen ist. Auch die, die glauben, sie sind normal, sind verrückt. Niemand ist gesund zurückgekehrt.“ Im hohen Alter kehrte Schaffer Mitte der 1990er Jahre in das ländliche Galizien zurück, wo es zwar neue Straßen und Dorfzentren gab, aber keinen Ort zum Gedenken. Mit Schaffers Unterstützung wurde 2003 der jüdische Friedhof von Stanislawow restauriert und eine Gedenktafel für die ermordeten Familienmitglieder angebracht.

Über seine Geschichte hat Emanuel Schaffer wie so viele andere, die so etwas Entsetzliches erlebt hatten, meistens geschwiegen. Auch seinen Söhnen hat Schaffer kaum etwas vom Schicksal seiner Familie erzählt. „Über Polen und die Schoah habe ich alles nur aus zweiter Hand erfahren“, sagt Moshe Schaffer.

Emanuel „Eddy“ Schaffer starb am 30. Dezember 2012 starb im Alter von 89 Jahren. An seinem Grab sagte Avi Luzon, der Präsident des israelischen Fußballverbands: „Er war der größte Trainer, den wir je hatten.“ Für die deutsch-israelischen Beziehungen hat Emanuel Schaffer Großes geleistet. Liest man seine Geschichte, so muss man feststellen, dass er Außergewöhnliches geleistet hat.

Die vorstehenden Angaben vgl. http://ballesterer.at/heft/weitere-artikel/abschied-eines-ueberlebenden.html (Stand 3.3.2016), https://de.wikipedia.org/wiki/Emanuel_Schaffer (Stand 3.3.2016) und http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/19363 (Stand 3.3.2016).

Josef Frantzen 03/2016 : Neues

Nach Jürgen Malzkorn soll heute Josef Frantzen vorgestellt werden. Etwa seit dem Jahr 2000 arbeitet Josef Frantzen ehrenamtlich für das Kulturarchiv. August Liebenwein übertrug ihm zunächst u.a. die Archivierungsarbeiten von Landkarten. Mit der Zeit, besonders ab 2006, als Heinz Josef Küppers Archivleiter wurde, übernahm Josef Frantzen weitere Aufgaben...


Viel Zeit verwandte er auf das Sichten und Ordnen des Nachlasses von Willi Benzel. Dieser hatte sehr viel Material über das Leben und das Schicksal von jüdischen Mitbürgern in Würselen und der Region zusammengetragen. Immerhin füllt der Nachlass 15 Ordner! Mehrmals sind die Unterlagen von Schülern zur Erstellung von Arbeiten genutzt worden. Dabei wurden sie von Josef Frantzen stets gut beraten.

Durch vielfältige Bemühungen des verstorbenen Mitarbeiters Winand Hilden gelang es, Totenzettel für das Archiv zu sammeln und alphabetisch zu ordnen. Josef Frantzen setzt diese Arbeit fort. Er erfasste die wichtigsten Daten vorhandener und neuer Totenzettel (inzwischen weit über 3.000 Stück). Einen großen Teil seiner Mitarbeit widmet er dem Archivieren von Zeitungsausschnitten nach einem von ihm ausgearbeiteten System.

Als dem Archiv von der Verwaltung eine große Anzahl von Fotos überlassen wurde, war es Josef Frantzen, der sie in den vorhandenen Bestand einordnete. Wenn es darum geht, Texte aus der deutschen Schrift in unsere heutige Schrift zu übertragen, hilft er gerne mit. Josef Frantzen verfügt über ein großes Wissen und ein ausgezeichnetes Gedächtnis, so dass er Anfragen zur Geschichte der Stadt aus vergangenen Zeiten, zum Geschehen in zahlreichen Vereinen, zu Gebäuden und deren Nutzung, zum Brauchtum, zu Personen, zum kirchlichen Leben, zu Musikveranstaltungen in Kirche und Stadt etc. rasch beantworten kann.

Für das „Betriebsklima“ ist Josef unersetzlich. Aus dem Stehgreif erzählt er Witze und ist immer zu Scherzen aufgelegt. Es ist fast überflüssig anzumerken, dass er die inoffizielle Amtssprache des Archivs - Wöschelter Platt - aus dem Effeff beherrscht.