Persönlichkeiten in und aus Würselen

Hier finden Sie kurze Biografien (in alphabetischer Reihenfolge) zu Menschen, die für Bardenberg, Broich, Weiden und Würselen viel geleistet haben bzw. aus Würselen stammen und in Sport, Gesellschaft oder anderen Bereichen einen besonderen Stellenwert erreicht haben. Die Liste ist nicht abgeschlossen. Weitere Persönlichkeiten und weitere Informationen folgen.

Wilhelm Bock

Wilhelm Bock * 03.07.1874 + 22.01.1959

"Am 1. Februar 1903, abends 6 Uhr, versammelten sich im Lokal Werner Leuchter, früher Grevenberg, jetzt Krefelder Straße 57, etwa 75 Arbeiter der christlichen Gewerkschaften und legten den Grundstein zu einem genossenschaftlichen Unternehmen......."¹ In der Vorstandswahl, die auch in dieser Versammlung stattfand, wurde Wilhelm (Willy) Bock zum Kassierer gewählt. Schon kurze Zeit später übernahm er das Amt des Geschäftsführers. Für den Geschäftsführer und den Vorstand des "Konsumvereins 'Eintracht' für Würselen und Umgegend e.G.m.b.H." war es zunächst schwierig, sich angesichts der damals zahlreichen "Kolonialwarenläden" und anderer Konsumgenossenschaften zu behaupten. Doch der rastlosen Arbeit Wilhelm Bocks und seines Vorstands gelang dies erstaunlich schnell.

So konnte stolz behauptet werden: "Seit dem Jahre 1910/11 wird unsere Genossenschaft tonangebend für die noch bestehenden Konsumgenos-senschaften im Regierungsbezirk Aachen."² Der 1. Weltkrieg und die Inflation brachten die Genossenschaft in erhebliche Schwierigkeiten, die erfolgreich gemeistert werden konnten.

"1936 wurde Wilhelm Bock wegen sog. politischer Unzuverlässigkeit von den NS-Herrschenden seines Amtes enthoben, jedoch schon 1942 restlos rehabilitiert. Nach dem Zusammenbruch war er Mitglied des Aufsichtsrates des im September 1946 neu gegründeten 'Konsum'. Zur gleichen Zeit berief man ihn als Abgeordneten in den Stadtrat. Zeitweise war er stellvertretender Bürgermeister. Am 21.11.1951 wurde Wilhelm Bock wegen seiner Verdienste um das Allgemeinwohl die Ehrenbürgerschaft der Stadt Würselen verliehen."³

Durch Ratsbeschluss vom 27.05.1986 erhielt eine Straße in einem Morsbacher Neubaugebiet den Namen Wilhelm-Bock-Straße.

¹Festbuch zum 25jährigen Bestehen des Konsumvereins "Eintracht" für Würselen u. Umgegend e.G.m.b.H. Würselen 1903-1928, S. 9

² ebd., S.21

³ Günter Breuer, Würselener Straßen in Vergangenheit und Gegenwart, Würselen 1993, 234

Peter Carduck

Peter Carduck wurde am 15. März 1883 in Neusen geboren. Der CDU Politiker hatte im Bergbau gearbeitet und wurde nach dem Krieg Gemeindeverordneter im ersten von den Amerikanern eingesetzten Gemeinderat, der erstmals am 30. April 1946 tagte. Bereits in dieser Sitzung wurde er in den Hauptausschuß gewählt ("Peter Carduck, Linden"). Am 4. November 1948 wurde er zum Bürgermeister der Gemeinde Broichweiden gewählt und blieb dies bis zum 13. November 1951. Peter Carduck wurde dann am 21. November 1952 erneut zum Bürgermeister gewählt und war im Amt bis zum 23. November 1956.

Durch Beschluss des Rates der früheren Gemeinde Broichweiden vom 18. Dezember 1959 wurden ihm die Ehrenbürgerrechte verliehen. Er war ein Mann der ersten Stunde, als es um den Wiederaufbau der zerstörten Gemeinde Broichweiden ging und erhielt das Ehrenbürgerrecht aufgrund der Verdienste in dieser Zeit als Bürgermeister und auch vorher als Ratsmitglied. Peter Carduck verstarb am 29. Januar 1963.

Jupp Derwall

Josef "Jupp" Derwall wurde am 10. März 1927 in Würselen geboren.Der herausragende Fußballer begann seine Karriere bei Rhenania Würselen. Als Bundestrainer gewann er mit der Deutschen Nationalmannschaft die Fußball- Europameisterschaft 1980 und wurde in Spanien 1982 Vizeweltmeister. In seiner Heimatstadt Würselen ist er als Torjäger von Rhenania Würselen während der Oberligazeit (damals höchste Spielklasse) unvergessen. Das 1. Spiel nach dem Aufstieg in die Oberliga gewann Würselen mit 3 : 2 auf Schalke. Nach seinem Ausscheiden als Nationaltrainer trainierte er von 1984 bis 1988 Galatasaray Istanbul und gewann mit dem Verein zweimal die türkische Meisterschaft und einmal den Pokal.

Zur Erinnerung wurde eine Straße nach ihm benannt, die "Jupp Derwall Straße" in Morsbach.

Theodor Genuit

Theodor Genuit wurde am 12. Mai 1846 in Altendorf an der Ruhr geboren. Der gelernte Diplom-Landwirt kam 1875 als Rentmeister und Verwalter nach Schloß Ottenfeld und zeigte eine erstaunlich Fülle ehrenamtlichen Engagements.

Theodeor Genuit war Mitglied des „Zentrum“. 55 Jahre war er Gemeindeverordneter in der Gemeinde Bardenberg und wirkte im Kreistag Aachen Land mit. 1883 gründete er den Bauernverein Bardenberg und vermittelte den Bauern großes Fachwissen von Methoden der Ertragssteigerungen bis hin zu richtigen landwirtschaftlichen Buchführung. Er war zeitweise Mitglied des Kirchenvorstandes und gründete unter seinem Vorsitz 1894 den Sparkassen- und Darlehensverein Bardenberg (Raiffeisen).Er unterstützte Handwerk, Sport und die Schule Duffesheide, letztere beispielsweise auch durch Spenden zum Aufbau einer Schulbücherei.

1925 ernannte ihn die Gemeinde Bardenberg zum Ehrenbürger, „weil er während seiner langjährigen Tätigkeit als Mitglied des Gemeinderates sich stets den Interessen der Gemeinde und seiner Bürger mit Fleiß und Hingabe gewidmet und sich dadurch besondere Verdienste erworben hat“, wie es in der Orkunde wörtlich heißt. Theodor Genuit starb am 29.12.1944. Er wurde 98 Jahre alt.

Willi Gülpen

Wilhelm Gülpen wurde am 4. November 1911 geboren. Nach der Schule und einem nicht abgeschlossenen Studium arbeitete er als Schlosser und dann im technischen Büro der Firma Veltrup in Aachen. Wie aufgeschlossen er für politische Fragen war, konnte man erleben, wenn er über die endzwanziger und dreißiger Jahre sprach. Gülpen kam aus einem katholisch-bürgerlichen Elternhaus und lehnte den Nationalsozialismus völlig ab. In seiner Freizeit spielte er Handball bei der DJK Armada und war auch Turner.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges trat er in die SPD ein. Am 21. November 1952 wurde er zum Bürgermeister gewählt und blieb es bis zur Niederlegung seines Ratsmadats am 5. Juni 1959. Bei Prym angestellt, war es sehr schwierig, die zeitlich aufwändigen Aufgaben eines ehrenamtlich tätigen Bürgermeisters bei seinem Arbeitgeber auf Dauer durchzusetzen. Eine Kandidatur als Beigeordneter scheiterte. Gülpen wechselte danach als Geschäftsführer zur Arbeiterwohlfahrt.

Am 12. Mai 1972 wurde er erneut zum Bürgermeister gewählt. Es war das Jahr der kommunalen Neugliederung, die Würselen mit Bardenberg und Broichweiden zusammengeführt hatte. Der Rat beschloss am 15. Dezember 1981, ihm das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Der Festakt zur Übertragung des Ehrenbürgerrechts fand am 2. März 1982 statt. Wilhelm Gülpen wurde geehrt wegen seiner Verdienste als langjähriger Bürgermeister der Stadt Würselen in zwei wichtigen Phasen der Stadt, einmal in der Aufbauphase der Nachkriegszeit und dann zu Beginn der Neugliederung. Willi Gülpen wirkte auch lange Jahre als Kreistagsabgeordneter. Er starb am 26. Oktober 1984.

August Liebenwein

Nach etwa zweijähriger Tätigkeit in der Schule eines kleinen Eifeldorfes kam der junge Lehrer August Liebenwein im Januar 1957 an die Katholische Volksschule Würselen-Morsbach, Balbinastraße. Dass diese Versetzung ein Glücksfall für Würselen werden würde, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand erahnen. Nur wenige Jahre später begann er, systematisch Fotos seines neuen Wirkungsbereiches und Unterlagen zur Geschichte Würselens zu sammeln. Zunächst reichten die Räume der Privatwohnung noch aus, um die kleine Sammlung aufzubewahren.

Mit deren Anwachsen jedoch war der erste "Umzug" in einen Raum der Morsbacher Schule nötig geworden. Insgesamt neunmal musste August Liebenwein mit seiner immer größer werdenden Sammlung umziehen, bis sie endlich 1989 in Räumen des Kulturzentrums Altes Rathaus einen würdigen Platz fand. Aus kleinsten Anfängen in Kisten erwuchs ein beachtliches Archiv: das Kulturarchiv der Stadt Würselen. 44 Jahre war August Liebenwein Leiter des Archivs, eine großartige Leistung, die man nicht hoch genug einschätzen kann. Im Oktober 2006 wurde er mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Würselen ausgezeichnet.

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Franz Mühlenberg


Franz Mühlenberg wurde am 19. Mai 1894 in Aachen geboren. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er Metallarbeiter, später Vorarbeiter und Betriebsrat. 1908 trat der der Katholischen Jugendbewegung bei, 1911 der KAB (Katholische Arbeiterbewegung). Zunächst Mitglied im "Zentrum". Diese Partei verlies er 1926, weil er sich dort als Arbeiter nicht gut vertreten fühlte. Er war im Christlichen Metallarbeiter Verband aktiv und schloss sich der Vitus Heller Bewegung an.

Nach dem Krieg war er 1945 bei der Gründung der CDP (Christlich Demokratischen Partei) in Würselen und im Kreis Aachen dabei, die sich im Dezember 1945 den Namen CDU gab. Franz Mühlenberg war Mitglied des Stadtrates in Würselen (1946 - 1969), Mitglied des Kreistags (1956 - 1961) und Kreisvorsitzender der CDU im Kreis Aachen von 1953 bis 1957. Er vertrat den Wahlkreis Aachen Land im Deutschen Bundestag als direkt gewählter Abgeordneter von 1949 bis 1961.

Severin Fritz Pütz

Am 24. Januar 1909 wurde Severin Fritz Pütz in Würselen geboren. Nach der Schule wurde er Bergmann, schloss sich 1926 dem Bergarbeiter Verband und 1928 der SPD an. Die Arbeit in Gewerkschaft und SPD bestimmten sein Leben auch nach dem Krieg. 1945 war er dabei, als die SPD sich nach dem Verbot neu gründete.

1946 wurde er in den Würselen Stadtrat gewählt und dem Kreistag des Kreises Aachen gehörte er zwei Jahrzehnte an. Ab 1948 war er Schöffe und und Geschworener beim Amts- und Landgericht Aachen.Er wurde 1953 Betriebsratsvorsitzender, stellvetr. Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitgleid beim EBV (Eschweiler Bergwerks Verein), später dann noch Mitglied im Hauptvorstand der IG Bergbau und Energie. Pütz war von 1957 - 1961 Abgeordneter des Deutschen Bundestages und von 1967 bis zur kommunalen Neugliederung 1972 Bürgermeister der Stadt Würselen.

Walter Rütt

Am 12. September 1883 wurde Walter Rütt in Morsbach geboren. Er sollte einer der besten Radfahrer der Welt werden. Nach ihm, der 1913 auch einen Weltmeistertitel holte, ist die Sporthalle in Morsbach benannt worden: "Walter Rütt Sporthalle". Über Walter Rütt wird eine hervorragende Website geführt unter » www.walter-ruett.de . Dort findet man sehr umfangreiche Informationen über diesen absoluten Ausnahmesportler.

Peter Joseph Schings

Peter Joseph Schings wurde am 11. Mai 1837 in Scherberg geboren. Er war der Sohn des Nadlers Johann Peter Schings aus Scherberg und dessen Frau Maria Catharina Schings, geb. Jacobi aus Euchen. Er wollte als Junge schon Priester werden. Es war wohl Pfarrer Wilhelm Moritz von St. Sebastian, der dafür sorgte, dass Peter Joseph Schings auf das Kaiser Karls Gymnasium nach Aachen gehen konnte. Nach dem Abitur studierte er Theologie an der Universität Bonn, wechselte dann auf das Priesterseminar Mainz und wurde im Januar 1865 zum Priester geweiht. Schings fand sein Engagement schnell in der Diskussion der sozialen Frage. Er engagierte sich für die "Christlich Sozialen Vereine" und wurde Präses des "Spar-und Darlehensvereins zum hl. Joseph" in Aachen. Seine Intention war u.a. "!Hilfe für die 'durch das freigegebene Wucherthum und der Uebermacht des Kaiptals in ihrer Existenz gefährdeten Stände' - den "mittleren Bürger- und Handwerkerstand und die sogenannten niederen Erwerbsleute'." (Zitat aus einem Artikel von Herbert Lepper über Schings)

Schings war dann Mitherausgeber der "Christlich-Socialen Blätter", die 1868 in Aachen erstmals am Namenstag des hl. Josef, dem 19. März erschienen. Peter Joseph Schings wurde zum Wegbereiter der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung. Er starb - vermutlich an Lungentuberkulose - bereits mit 39 Jahren.

(Der Dank gilt Rolf Rüland, der uns auf diese Würselener Persönlichkeit hinwies.)

 Dr. h.c. Josef Thomé

Josef Thomé wurde am 2. Juni 1891 in Euskirchen geboren und nach Schule, Studium und ersten Stationen als Kaplan am 13. Dezember 1936 zum Pfarrer von St. Balbina in Würselen Morsbach berufen. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit war er - von den Amerikanern darum gebeten - vom 15. Oktober bis zum 1. Dezember 1944 Bürgermeister von Morsbach (Die Verwaltung in Würselen war von den Amerikanern bis April 1945zweigeteilt worden). Thomé war nicht nur als Seelsorger anerkannt und beliebt, sondern wegen seiner theologischen Schriften hoch geachtet. Während des Kampfes um Würselen im Herbst 1944 hat er sich sehr für die Menschen in Morsbach eingesetzt, seine Aufzeichnungen geben ein beredtes Zeugnis. Josef Thomé wurde Ehrenbürger der Stadt, eine Straße wurde zur Erinnerung nach ihm benannt.