Industriegeschichte

Die Seite ist im Aufbau. Weitere Texte und Informationen zur Industrie- und Handelsgeschichte der Stadt Würselen werden Schritt für Schritt eingesetzt und ergänzt. Vier der größten Arbeitgeber waren der Bergbau, die Nadelindustrie. die Sodafabrikation und die Zigarrenherstellung.

Nadelindustrie

 

Die Gebrüder Peter Josef und Gerhard Josef Queck begannen 1871 in einem kleinen Handwerksbetrieb an der Sebastianusstraße mit einer Nadelfabrikation. Die dort gefertigten Handnähnadeln wurden bald in ganz Deutschland ausgeliefert. In den Jahren 1873/74 wurde in der Drischer Straße eine neue Fabrik gebaut. Durch die Umstellung auf Dampfmaschinenantrieb und die zusätzliche Herstellung von Maschinennadeln wurde der betrieb immer gößer, die Nadeln wurden europaweit und sogar nach Übersee verkauft. 180 Menschen fanden dort 1907 Arbeit, so steht es jedenfalls auf dem Briefbogen.

 

Nadelfabrik Schiffer/Reiss, später Singer

Im Jahre 1919 gründeten die Herren Karl Schiffer und Heinrich Reiss eine Nadelfabrik in Würselen. Sie mieteten hierzu ein bestehendes Fabrikgebäude an der Kaiserstraße 106, eine frühere Zigarrenfabrik. Der Kaufmann Karl Schiffer stammte aus Bonn. Heinrich Reiss (* 24. Januar 1859 + 7.Oktober 1941) entstammte einer alten Würselener Nadlerfamilie, deren Vorfahren sich bereits im 17. Jahrhundert in Würselen nachweisen lassen. Heinrich Reiss hatte einschlägige Erfahrungen bei zahlreichen Aachener Nadelunternehmen als Obermeister bzw. Betriebsleiter gesammelt.

Zunächst hatte die neue Firma 30 - 40 Mitarbeiter. Sie konnte sich bereits innerhalb weniger Jahre einen guten Ruf erwerben, so dass die amerikanische Firma Singer Interesse an einer Übernahme zeigte. Diese kam im Jahre 1922 zustande. Allerdings wurde das Unternehmen weiter unter dem Namen Schiffer & Reiss fortgeführt. Heinrich Reiss führte bis 1934 den Betrieb als Betriebsleiter. Auch Karl Schiffer setzte seine Tätigkeit in der Firma weiter fort. 1934 gehörten 200 Beschäftigte zur Belegschaft. Von 1934 bis 1944 trat Wilhelm Reiss in die Fußstapfen seines Vaters als Betriebsleiter.

 

Im Herbst des Jahres 1944 wurden alle Maschinen von der Singerfabrik in Würselen durch ein Rüstungskommando nach Wittenberge in das dortige Singer-Werk transportiert. Viele Beschäftigte aus Würselen wurden dienstverpflichtet. Während der Kampfhandlungen im Oktober und November 1944 wurden die Werksgebäude teilweise zerstört. Schon recht früh nach Beendigung des Krieges begannen Mitarbeiter der Firma mit Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten.

Am 11. Oktober 1945 nahm die Nadelfabrik unter sehr schwierigen Bedingungen die Produktion wieder auf. Zu erwähnen ist, dass die damals bestehende Würselener Nadelfabrik Queck dem Singer-Werk mit der leihweisen Überlassung einer Abflachmaschine aushalf. Von 1950 bis 1958 entstanden in Würselen neben den Nadeln auch Nähmaschinenmotore. Danach erfolgte eine Straffung des Programms innerhalb des Singer-Konzerns. Die Herstellung der Motore wurde nach Frankreich verlegt.

Die "Schallmauer" von 200 Millionen Stück Maschinennadeln als Jahresproduktion durchbrach die Firma Singer im Jahre 1971. Der Weltmarktanteil der in Würselen hergestellten Nähmaschinennadeln lag im Jahre 1972 bei 25 %.

Mehr Infos zu diesem Thema lesen Sie » HIER

 

Bergbau

Die Grube Gouley

Die Grube Gouely in Morsbach war eine von vielen Kohlegruben, die in Würselen und Bardenberg in früherer Zeit betrieben wurden, Es war die letzte Zeche, auf der bis zuletzt noch gefördert wiurde, während andere Gruben bereits stillgelegt waren. Gouley wurde dann 1969 geschlossen. Auf unserer » Videoseite finden sie zwei Videos zu Gouley. Mehr über die Geschichte der Zeche hat das » Bergbaumuseum Alsdorf aufgearbeitet, das auch die Zusammenhänge des Berbaus aufzeigt.

 

Die Ammoniak-Soda-Fabrik Honigmann später Solvay-Werke

Nur wenige Schritte von der Würselener Hauptgeschäftsstraße, der Kaiserstraße, befinden sich seit vielen Jahrzehnten zwei große Abraumhalden, im Volksmund Kalkhalden genannt.

Nicht jedem Würselener Bürger ist heute die Herkunft dieser Halden bekannt. Es sind Produktionsrückstände der Sodafabrik, die dort ihren Standort hatte. Im Folgenden sei deshalb in kurzen Zügen die Geschichte der Ammoniak-Soda-Fabrik Honigmann später Solvay-Werke dargestellt: Einige Jahre nach dem belgischen Chemiker Solvay, aber unabhängig von diesem, arbeitete Moritz Honigmann (1844-1918) ein Ammoniak-Soda-Verfahren aus, das sich als brauchbar erwies.

•12. Oktober 1871 Moritz Honigmann beantragt die Erteilung einer Genehmigung zur Errichtung einer Sodafabrik in Grevenberg.

•26. Oktober 1871 Im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Aachen erfolgt die Veröffentlichung des Antrages mit dem Bemerken, daß Einwendungen nicht privatrechtlicher Natur dagegen innerhalb von 14 Tagen beim Landrat des Landkreises Aachen anzubringen sind.

Die gesamte Geschichte der Solvay-Werke können Sie » HIER aufrufen.

 

 

Zigarrenherstellung

Kaum jemand weiß heute noch, dass in Würselen die Produktion von Zigarren und Tabakwaren mehreren hundert Beschäftigten Arbeit und Lohn sicherte. Etwas über 90 Jahre, von 1861 bis Anfang der 1950er Jahre, wurde in Würselen produziert, in größeren Fabriken, in Kleinbetrieben und oft auch in Heimarbeit. Die Tabakindustrie war neben dem Bergbau, der Nadelindustrie und der Sodafabrikation einer der großen Arbeitgeber in unserer Stadt. Die Geschichte der Zigarrenherstellung ist in der Broschüre "Schlaglichter - Zigarren aus Würselen" aus dem Jahr 2015 beschrieben, Autor ist Achim Großmann.

Die Broschüre kann im Kulturarchiv eingesehen werden oder auch Online » HIER.

Inzwischen wurden weitere sehr interessante Details recherchiert. Es wird also wahrscheinlich auch eine Fortsetzung geben.

 

Konsumgenossenschaft "Eintracht"

 

Am 1. Februar 1903 gründeten etwa 75 Arbeiter der christlichen Gewerkschaften Würselens in einer Gastwirtschaft in Grevenberg die Genossenschaft "Konsumverein 'Eintracht' für Würselen und Umgegend eGmbH.". Sie musste sich in den ersten Jahren gegen andere Konsumgesellschaften und einzelne Kolonialwarengeschäfte durchsetzen und wurde zu einer großen und leistungsstarken Konsumgesellschaft, die auch über Würselen hinaus agierte. Im Kulturarchiv Würselen findet sich dazu Näheres im „Festbuch zum 25jährigen Bestehen des Konsumvereins "Eintracht" für Würselen u. Umgegend eGmbH. Würselen 1903-1928“.

Produktionsanlagen, Verwaltung und Fuhrpark gab es in der Friedrichstraße. In einem Gebäude ist heute das Euregio-Kolleg "zuhause".